Myötäpäivään
in den finnischen Wäldern gesammelte natürliche Materialien (Gemälde: extrahierte Farbpigmente aus Moos, Flechten, Sumpfporst, Birkenrinde und Pilzen auf Glas / Installation: Hirschknochen), Glas, Metall
2021–2025, 152×76×65 cm
Myötäpäivään („im Sonnensinn“) setzt im Dialog mit der Metsänpeitto-Installation die Erforschung von magischen Praktiken zum Schutz gegen Metsänpeitto fort. In der finnischen Naturverehrung bezeichnete Metsänpeitto (wörtlich: „die Decke/Abdeckung des Waldes“) das Verschwinden von Menschen und Vieh in die „Anderswelt“ des Waldes: man verirrte sich nicht im Wald, sondern trieb außer Sichtweite dieser Realität.
Um domestizierte Tiere vor Metsänpeitto zu behüten, wurden im Frühling Schutzzauber gewirkt, indem man die Tiere zwei mal nach dem Lauf der Sonne und einmal in entgegengesetzter Richtung um sich selbst drehte. Bei diesen Drehungen musste unbedingt eine Runde „im Sonnensinn“ überzählig bleiben. Auf diese Weise wurde dem Vieh Schutz im Reich des Diesseits zuteil – sicher vor dem Einfluss des Metsänpeitto.
Dank:
Kunstwerkfotografie: Joe Clark, 2025
Ausstellungsansicht: Galerie Jochen Hempel, Leipzig (DE), 2026 / Fotograf: Björn Siebert
Die doppelte Drehung mit der Sonne und die einfache in umgekehrter Richtung stellt einen Handel zwischen dieser Welt und dem Jenseits dar. Magie gehört zur Domäne des Jenseits und setzt eine entgegengesetzte, magisch wirkmächtige Bewegung voraus; jedoch ist das Ziel, die Kuh durch die Drehungen im Sonnensinn fest im Diesseits zu halten. Die umgekehrte Prozedur – mit einer überzähligen entgegengesetzten Drehung – hätte vermutlich die Kühe vollständig in die jenseitige Welt befördert, ins Metsänpeitto.
Risto Pulkkinen, Suomalainen kansasanusko, 2014
